100 Jahre Diakonieverein

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 Der Diakonieverein Röslau wird im Jahr 2010 100 Jahre alt.


Üblicherweise gibt es dazu eine Festschrift, die irgendwann im Regal steht und die dann kaum mehr jemand liest. Das wollen wir nicht.
Auch haben wir gar nicht so viel verwertbares Material im Verein, da die Vorstandschaft des Vereins lange Jahrzehnte mit dem Kirchenvorstand der Gemeinde Röslau identisch war und Fakten aus den KV– Protokollen herausgelesen werden müssen.

Dennoch, es gibt Grund zu feiern:
100 Jahre da sein für Menschen in Röslau, mit Kindertagestätte und früher dem Pflegedienst, mit der Aktion Schultüte oder dem ökumenischen Röslauer Hilfsfonds.
Der Verein darf feiern– er hat einiges geleistet.
Deshalb wollen wir hier ein paar Eckpunkte und interessante Quellen zur Verfügung stellen.
Wer mag kann sich diese Seiten herunterladen und ausdrucken. Wir möchten kein unnötiges Geld ausgeben für einen Druck, lieber für die Menschen in Röslau.

Im Juni 2010

gez.

Thomas Guba, Pfarrer


Zum Inhalt


2-11    Geschichtliches zum Diakonieverein
12       Zukunft des Diakonievereins
13-16  Quellenmaterial zur Pflegestation
17       Quellenmaterial von Willi Stäudel zur Entstehung des Vereins


Auszug aus dem Protokoll vom 10. Okt. 1954 (25-jähriges Jubiläum Kinderschule)


Der Diakonieverein Oberröslau

Der Diakonieverein begeht das Jubiläum der Kinderschule.
Am Michaelistag 1929 wurde sie eingeweiht. Der Diakonieverein selbst ist ja wesentlich älter. Er wurde im Jahr 1910 gegründet.

Schon der Diakonieverein verrät als Bezeichnung, wer sein Gründer war. Die Gemeinde, die von Diakonie etwas wusste. Eine ganz bestimmte Haltung stand von Anfang an dahinter. Diakonie heißt Dienst. Dieses Wort ist für Christen lebendig durch den Dienst, den der Herr Christus seiner Gemeinde getan hat und täglich tut.
Seine Liebe steht hinter aller Diakonie, hinter allem Dienst.
Heute, da wir am Beginn der Opferwoche der I.M. dieses Jubiläum feiern, ist daher der Dank an diesen Herrn das Erste.25 Jahre hindurch ist die Kinderschule im gleichen Geist geführt worden. Dabei ist allerlei auch in der Welt der Fürsorge und Wohltätigkeit über unsere Köpfe hinweggegangen. Es ist eine besondere Bewahrung gewesen. Viele hundert Kinder sind nicht nur tagsüber aufgehoben gewesen. Sie sind auch durch Wort und Beispiel mit dem Herrn Christus in Berührung gekommen. Für viele war hier tagsüber nicht nur ein Aufenthalt, sondern ein liebes Nest.
Unser Dienst galt ja allen ohne Ausnahme, genau wie die Krankenschwester über den Rahmen der evangelischen Gemeinde allen zur Verfügung steht, die ihren Dienst begehren.

In dem Kinderheim waren aber noch mehr daheim. Die Mädchenarbeit hatte den ersten Baustein gegeben. Sie war immer daheim. Der Kirchenchor und der Posaunenchor, der C.V.J.M., unsere alten Männer und Frauen trafen sich hier, Bibelstunden der Gemeinde und der landeskirchlichen Gemeinschaft, Gottesdienste der kath. Gemeinde fanden hier statt. Präparanden und Konfirmanden kamen hier zusammen.
Wir dürfen dankbar sein, dass uns dieses Haus zur Verfügung stand. Wir dürfen aber auch derer gedenken, die diese Arbeit mit viel Opferbereitschaft und Freudigkeit gestützt haben. Fangen wir mit den Sammlern an. Es muss der Gemeinde deutlich gesagt werden, dass der gesamte Ertrag der monatlichen Sammlungen, soweit er am Ort bleibt, dem Diakonieverein zugute kommt. (Erst seit 1973 gibt es eine eingetragene Mitgliedschaft mit einem festen Jahresbeitrag.)
Ich darf den Vertretern der pol. Gemeinden und der Industrie danken, die neben allen kirchlichen Stellen viel getan haben, um dieses wohltätige Werk, das allen zugute kommt, zu erhalten.

Pfarrer Altmann

 

Eckpunkte des Diakonievereins Röslau

1904/05   wurde die Gründung eines Vereins zum Zwecke der Errichtung einer Kleinkin- derschule propagiert.

1.10.1908  1. Niederschrift im Kirchenvorstandsprotokoll
Immer mehr Personen erklärten sich zur Gründung eines Vereins bereit

1.12.1910  Gründungsversammlung in der Gastwirtschaft Medick (Weißes Roß)
18 Anwesende, darunter 4 Kirchenvorstände, unterzeichneten die
Mitgliederliste. Der Verein war gegründet und eine Satzung beschlossen.

2. 3. 1911  wurden bereits 115 Mitglieder gezählt.
Von einer Firma wurde dem Verein ein Jahresbeitrag zugesagt.
Der Bau einer Kleinkinderschule wurde geplant.
Der 1. Weltkrieg behinderte dann aber eine weitere Planung und
Ausführung.

12/1916  Niederschrift: Die bisherigen Satzungen bleiben bestehen.

28. 2.1917  Eintragung ins Vereinsregister „Diakonieverein Röslau e.V.“
Der Vorstand des Vereins besteht aus den jeweiligen Mitgliedern des Kirchen- vorstandes und unter dem Vorsitz des Pfarrers oder seines Stellvertreters

21.1.1919  Von einer Firma (Winterling) eine größere Geldspende, mit der man den Bau der  Kinderschule hätte beginnen können, aber die Auswirkungen des Krieges, der  Pfarrerwechsel und die Inflation trafen den    Verein hart.

10/1923  Schw. Margarethe Keitel kam als 1. Diakonisse für die Gemeindearbeit und  Krankenpflege nach Röslau.

1924- /26  Verhandlungen wegen eines Bauplatzes

3. 5.1926  überreicht die von Schw. Frieda gegründete Mädchengruppe Pfr. Hauth mit ei- nem passenden Gedicht den 1. Baustein (20 Mark) zum Bau einer Kleinkinder schule.

1929  Der Bau der Kinderschule war fertiggestellt.

1935  Satzungsänderung – Ergänzung
Vors. ist der jeweilige Pfarramtsführer / Vorstandschaft = Kirchenvorstandschaft

1954  Neuwahlen: 1. Vors. Pfr. Hermann Altmann / Stellv. Franz Scherzer

1955  Erweiterung der Kinderschule – Anbau in Richtung Hans-Widmann-Straße. Die  Säule im Gemeinderaum ist ein Teil der ehemaligen Außenmauer.  Kosten  34.942,-- DMDer Kindergarten hat sich, ohne dass es geplant war, in einen Kinderhort ver-  wandelt (nicht nur 3-6-Jährige besuchten den Kindergarten, sondern auch kleine-  re und auch schulpflichtige Kinder.) Es gab bereits ein  warmes Mittagessen  und   für die Kleinen 10 Liegematten für den Mittagsschlaf. Der Betrieb begann vor
7 Uhr und endete gegen 18 Uhr.
Der KiGa bleibt auch im August geöffnet (bis 1957 war der KiGa auch samstags  bis Mittag geöffnet).

1958  Im Dachgeschoss wird ein Schlafraum eingerichtet

1960  Neuwahlen: 1. Vors. Pfr. Otto Salmen / Stellv. Franz Scherzer

1961  Gesamtumsatz des Diakonievereins 16.161,-- DM
Leiterin des KiGa. Lydia Jahn
1962  Aus Mitteln des Diakonievereins wird das Kindergartengebäude außen getüncht  und die Fenster gestrichen.
Neue Leiterin: Sigrid Braun

1963  Sr. Grete Lang kommt als Gemeindeschwester
Nov. 1963  Neuwahlen: 1. Vors. Pfr. Alfred Wehrmann / Stellv. Albert Seidel
Änderung der Satzung: Vorsitzender ist der jeweilige Pfarramtsführer und Mit glieder der Vorstandschaft ohne besondere Wahl die jeweilige Kirchenvorstand- schaft
Der Jahresbeitrag beträgt 5,-- DM und wird jährlich eingehoben (keine Aufzeich nungen darüber)

1964  Sr. Elisabeth Amend neue Leiterin des KiGa

1969/70  Erneuerung und Ausbau der Toilettenanlagen
Einbau einer Küche im Keller und einer Ölzentralheinzung
für die Hortkinder (Schlüsselkinder), ein Werk-Bastel- und Gymnastikraum
Nebenraum für vorschulische Erziehung
Das 1. Dienstfahrzeug für die Gemeindeschwester wird gekauft

1971-73  Vorsitzender Pfarrer Edwin Steinbart / Stellv. Helmut Frohmader
1973  Beitrittserklärungen für eine Mitgliedschaft im Diakonieverein werden dem Ge- meindebrief beigelegt und erstmalig ein Monatsbeitrag von
1,50 DM festgelegt.
54 Mitglieder werden aufgenommen.

1.2.1974  Pfarrer Gerhard Struntz übernimmt den Vorsitz
60 Mitglieder / im August 81

1975  Neue Satzung wird beschlossen: Vorstandschaft besteht aus 1. Vors. Helmut  Frohmader / Stellv. Karlheinz Bunes und dem jeweiligen Pfarrstelleninhaber  ( jetzt Pfr. Gerhard Struntz)  Jahresbeitrag 24,-- DM
Jahresumsatz der Station und des Kindergartens 80.000,-- DM
Sr. Helga Eichhorst übernimmt die Leitung der Diakoniestation

1975/76  Bau des neuen Kindergartens am Peuntweg
1976  Der Diakonieverein ist Ausrichter des Thusfestes und des Wiesenfestes
Sr. Elisabeth Amend verlässt Röslau / neue Leiterin Helga Köstler

Jan. 1977  Der neue 3gruppige Kindergarten wird eröffnet.
Einweihungsfeier 17. Juli 1977

1.9.1978  Elisabeth Nickl neue Leiterin des KiGa
Okt. 1978  Neuwahlen: 2. Vors. Erwin Dörsch
 
Nov. 1981  Neuwahlen: 1. Vors. Helmut Frohmader / 2. Vors. Karlheinz Bunes /
Pfr. Friedrich Lösch
Dez. 1984  Herr Hans Glaßer übernimmt den 2. Vorsitz

1.9.1987  Christine Wunderlich (Sonntag) neue Leiterin

1988  Neuwahlen: 1. Vors. Helmut Frohmader

1991  Alle Kindergartenplätze sind belegt, es gibt eine Warteliste.
131 Mitglieder / Umsatz 602.000,-- DM

1992  Die letzte Diakonisse (Lieselotte Haushahn) der Krankenpflege verlässt Röslau /  Frau Christiane Seibold übernimmt die Leitung
129 Mitglieder / Umsatz 571.000,-- DM
Neuwahlen: 1. Vors. Helmut Frohmader / 2. Vors. Hans Glaßer /
Pfr. Gerald Zimmermann

1993  130 Mitglieder / Umsatz 825.000,-- DM

Sept. 1994  provisorische 4. Gruppe (Halbtagsgruppe) wird im Turnraum eingerichtet.
129 Mitglieder / Umsatz 630.000,-- DM

1995/96  Anbau der Bärengruppe / Einweihung 10.11.1996
Kosten 557.000,-- DM
1996  Neuwahlen: Kurt Lederer 1. Vorsitzender / 2. Vors. Friedrich Arzberger / Pfr.  Zimmermann
130 Mitglieder / Umsatz 808.000,-- DM

Jan.  1997  Beschluss zum Bau einer Diakoniestation
Sept. 1997  Baubeginn
März 1998  Fertigstellung und Einweihung der Diakoniestation an der Thusstraße
Kosten 230.000,-- DM
18.10.1998  75-jähriges Jubiläum der Diakoniestation
Sept. 1998  Neue KiGa Leiterin Heide Schmauder

1999  Die vierte Gruppe des KiGa muss wegen zu geringer Kinderzahl wieder ge schlossen werden.
Mitglieder 128 / Umsatz 809.000,-- DM

27.4.2000  Abend der Diakonie
Marderschaden im KiGa / Kosten 25.000,-- DM
2000   154 Mitglieder / Umsatz 760.000,-- DM

2001  Neuwahlen und Satzungsänderung: Der jeweilige Pfarrstelleninhaber ist wieder  gleichzeitig der 1. Vorsitzende des Diakonievereins
Die Mitglieder des Ausschusses werden für die Dauer von vier Jahren gewählt.
Vorsitzender: Pfarrer Gerald Zimmermann / 1. Stellv. Kurt Lederer / 2. Stellv.  Friedrich Arzberger
2001   Ausrichter des Thusfestes   (um vier Wochen verschoben, da das Bayerische  Fernsehen zu Aufnahmen für einen „Egerfilm“ angemeldet war)

Sept. 2001  Die vierte KiGa-Gruppe wird wieder geöffnet (78 Kinder)
Umsatz im Jahr 2001  799.000,-- €

2002  161 Mitglieder / Umsatz 684.000,-- €
Mitgliederbeitrag 25,56 €
24.2.2002  25-jähriges Jubiläum des „Neuen“ Kindergartens

157 Mitglieder / Der Beitrag wird auf 26,--€ festgelegt /
Jahresumsatz 800.000,-- €
8.6.2003  Der DV ist wieder Ausrichter des Thusfestes
März-Juli Englischunterricht für die Vorschulkinder durch die VHS

Juli 2003  Zusammenschluss der Diakoniestationen Röslau, Weißenstadt und Kirchenla- mitz  zum „Diakonischen Pflegedienst Kirchenlamitz-Röslau-Weißenstadt“ mit  Sitz in Röslau unter der Leitung von Frau Christiane Irmer

Pfarrer Thomas Guba übernimmt den 1. Vorsitz

2004  148 Mitglieder / Umsatz 860.000,-- €
10.10.2004  75-jähriges Jubiläum des Kindergartens

2005  Neuwahlen / 143 Mitglieder / Umsatz 801.000,-- €
März-Juli Englischunterricht für die Vorschulkinder durch die VHS
Neue Heizung und neue Fenster / Kosten 25.400,-- €

2006  141 Mitglieder / Umsatz 797.000,-- €
Sept. 2006  eine Kinderkrippe wird eingerichtet / neue Leiterin Frau Bergmann

1.1.2007  Pflegedienst geht in die Trägerschaft des Diakonischen Werkes über.
2007  137 Mitglieder / Umsatz 756.000,-- €
Familienmesse „Bärenstark für Röslau“
Frau Bergmann verlässt den KiGa / neue Leiterin Elisabeth Nickl
neue Küche wird in den Ferien eingebaut
neuer Zaun – bemalt von den Kindern

2008/09  Im Kindergarten wird ein Wasserspielplatz angelegt

2009  Neuwahlen und Einführung einer Familienmitgliedschaft
Vorstand: Pfr. Thomas Guba / 1. Stellv. Kurt Lederer / 2. Stellv. Helmuth Stäu del  / Jahresumsatz 798.000,-- €
2010  Die zurückgehende Kinderzahl macht sich im Kindergarten bemerkbar. Wieder  muss eine Gruppe geschlossen werden.

 

Und wo geht es hin? 100 Jahre und dennoch geht´s ja weiter!

Für das Jahr 2010 ist uns Christen eine wunderbare Jahreslosung mit auf den Weg gegeben: „Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Johannes 14,1

Generationen von Mitarbeitenden im Diakonieverein haben sich an solche Bibelverse gehalten. Sie haben mit Gottvertrauen Gefahren umschifft und Krisen durchlebt.
Der Bau des Kindergartens konnte erst spät beginnen, Grundstücksfragen waren zu klären und der 1. Weltkrieg kam dazwischen. Als der „neue Kindergarten“ im Peuntweg gebaut wurde, gab es eine riesige Finanzierungslücke und dennoch wurde alles geregelt und bezahlt. Ein neues Gebäude für die Pflegestation wurde gebaut und dient bis heute als Zentrale des Pflegedienstes.
Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Über Jahrzehnte konnte der Diakonieverein häusliche Krankenpflege anbieten. Seit 2007 geschieht dies über das Diakonische Werk Selb–Wunsiedel e.V. Unsere Möglichkeiten, auch finanzieller Art, waren dafür zu klein geworden.
Im Kindergarten spüren wir die Auswirkungen des demografischen Wandels hautnah. 88 Plätze hat unsere Einrichtung, keine 60 sind ab dem Kindergartenjahr 2010/2011 mehr belegt. Dass dies Probleme für unsere Personalplanung mit sich bringt, ist klar, welche Probleme dies für den Ort Röslau mit sich bringt, wird die Zukunft zeigen.
Dennoch ist es falsch den Kopf in den Sand zu stecken.
Kreative Weg sind gefragt. Dazu gilt es auch über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich anderswo Ideen abzuschauen.
Dass Neuerungen auch Geld kosten, ist klar, und dass dies in der Regel noch stärker als bisher von den Eltern getragen werden muss, das ist uns bei klammen öffentlichen Kassen auch bewusst.

Bildung ist eingezogen in die Kitas und kleine Kinder sind da, anders als früher.
Und ob man will oder nicht, die Kita ist auch ein Wirtschaftsbetrieb geworden.

Dennoch: Unser christlicher Anspruch bleibt:
„Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“ Dieser Satz Jesu aus dem Markusevangelium ist ganz wichtig. Bildung und Hilfe für Kinder und deren Eltern ist weiterhin unser Auftrag.
Möge Gott seinen Segen dazu geben – dann wird es gelingen.

Thomas Guba, Pfarrer

 

Chronik der Station Oberröslau

von Schwester M. Keidel
Am 4. Nov. 1923 wurde in der Kirche zu Oberröslau die erste Gemeindeschwester in ihr Amt eingeführt. Schon mehr als ein Jahrzehnt zuvor war der Gedanke an eine Diakonis­senstation aufgetaucht, es wurde Geld dafür gesammelt u. das Interesse immer wieder neu angefacht, bis die Kriegs- und Inflationszeit alles verschlang und die Verwirklichung des Gedankens unmöglich erscheinen ließ.

Der Stein kam erst wieder ins Rollen, als die hiesige Lehrerschaft das Spielen der Orgel zu den Gottesdiensten verweigerte. Es wurde eine Gemeindeversammlung gehalten und beschlossen, die neu anzustellende Gemeindeschwester solle diesen Dienst mit übernehmen. Unterdessen wurde Gottesdienst ohne Orgelbegleitung gehalten. Die Einwohnerschaft war darüber sehr aufgebracht, unliebsame Äußerungen kamen wohl der Lehrerschaft zu Ohren, so dass diese sich genötigt fühlte, den Rückzug zu unternehmen. Bis die Schwester kam, hatten die Wogen sich wieder geglättet und die Lehrer versprachen, das Amt noch einige Zeit behalten zu wollen, was sie auch bis heute getan haben.

So war also die nächste Arbeit der Schwester die Krankenpflege. Am 31. Oktober 1923 kam Schwester Margarete Keidel hierher und wurde am 4. November von dem Ortsgeistli­chen Herrn Pfarrer Hauth in ihr Amt eingeführt unter Zugrundelegung des Wortes: Gal. 6,2 „Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." Weder Herr Rektor noch Frau Oberin waren zur Einführung gekommen.
Wie sah nun die neue Station aus?
Eine Waschschüssel und eine Bettschüssel waren Eigentum des Vereins, alles andere war geliehenes Gut. Die Schwester bekam im Pfarrhaus ein Zimmer und die notdürftigen Möbel wurden dem Verein von Herrn Pfarrer und Herrn Winterling, dem Besitzer der Porzellanfabrik, geliehen. Dieser letztgenannte Herr hat sich um das Zustandekommen der Station sehr verdient gemacht. Er versprach schon bei der Gründung des Vereins für die Kosten des ersten Halbjahres aufkommen zu wollen. Im Pfarrhaus fand die Schwester durch engen Anschluss an die Familie ein wirkliches Heim und kam dadurch über die Schwere des Anfangs hinweg. Nun galt es, zielbewusst vorzugehen Zunächst mussten Krankengeräte beschafft werden, um den Kranken wirkliche Erleichterung bringen zu können. Herr Winterling stellte nach einigen Wochen den Betrag hierzu, damals 50 Billio­nen zur Verfügung. Die Schwester war glücklich, dass sie ein wenig aus der großen Armut herauskam. Die Bevölkerung kam ihr fast durchwegs freundlich entgegen. Anfängliches Misstrauen der Arbeiter, ob die Schwester auch für sie oder nur für die Großen da sei, war bald zerstreut. In dieser Zeit, da das Geld keinen Wert mehr hatte, war es äußerst wertvoll, dass die Leute Naturalien schenkten und zwar so viel, dass die Pfarrfamilie dadurch entschädigt war.
Freilich, der Geldmangel machte sich unangenehm fühlbar, als es galt, die Station auszustatten. Da musste man sich erst einmal auf den Bettel verlegen. Wo aber ein wirklicher Notstand vorhanden ist, da öffnet Gott auch die Türen und Herzen. Das durften auch wir erfahren. Die Federn zum Bett waren bald beschafft, die lieferten verschiedene Bauersleute. Eine Kriegerwitwe, deren einziges Kind nach schwerer Krankheit wieder genas und die während der Krankheit von der Schwester unterstützt wurde, schenkte aus Dankbarkeit ein neues Kopfkissen. Dann gings in die Fabriken nach Münchberg. Reich bepackt kam die Schwester von ihrem Beutezug nach hause. Inlett, Überzugsstoff, ja sogar Vorhänge bekam sie dort geschenkt. Die Möbelstücke wurden von hiesigen Einwohnern gestiftet. Der Verein kaufte nur Krankenschrank, Kommode und ein Harmonium. Gerne zahlen die Leute ihren Beitrag und freuen sich an der schön ausgestatteten Station. Am 10. Nov. wurde der Schwester eine schöne neue Nähmaschine ins Zimmer gestellt. Das Geld hierzu wurde durch eine freiwillige Sammlung aufgebracht. Am 10. Nov. 1925 bekam die Schwester vom Verein 100 M für Zwecke der Station, die zur Anschaffung von Büchern für die Kranken verwendet wurden.

Im März 1924 besuchte Frau Oberin die Station und im Dezember des gleichen Jahres kam Herr Rektor ...

Nun ist vorläufig alles beschafft, was zur Führung der Station nötig ist. Mit Dank gegen den treuen Gott und seine gnädige Durchhilfe konnte das Jahr 1925 beschlossen werden.
Am 7. Jan. 1926 wurde Schwester Marg. Keidel versetzt, an ihre Stelle kam Schwester Frieda Meyer. (5. Jan.)
Chronik der Station Oberröslau

(Verfasserin: Schwester M. Keidel)

Berichte aus der Arbeit der Diakoniestation
1955 Die Krankenschwester, die zugleich Küchenschwester und Putzfrau ist, hat allerlei Abwechslung in der Arbeit. Sie war im vergangenen Jahr bei 339  Kranken zur Pflege. Sie ist die Wirtin bei allen Feiern. Damit sie nicht ein­seitig wird, hat sie mit der Jugend zu tun und darf sich in die Bücher der Bücherei vertiefen. Sie ist die Zeitungsfrau für die vielen Blätter.

4x halben Tag f. Chorschüler-Kragen, waschen stärken,bügeln
3 Sonntag-Nachmittage (Griechen, Goldene Konfirmation, Alten)
2 Sonntag-Abende (Sammler und Mitarbeiter)
jeden Sonntag Büchereidienst
ein halbes Jahr ohne Putzfrau
Hausmeisterposten, da jeden Abend von Montag bis Freitag Veranstaltungen im Haus sind und alle vierzehn Tage Gemeinschaftsstunde.
Frieda Weih


1972 652 Kranken- und Altenbesuche, teils in den Häusern, teils in den umliegenden Krankenhäusern und Altenheimen gemacht.
Außerdem wurden 696 Hausbesuche gemacht. 5 Nachtwachen wurde abgehalten.
1558 Besuche mit pflegerischen Hilfeleistungen wurden durchgeführt.
Darunter ist zu verstehen: In erster Linie die Körperpflege der Kranken, insbesondere das Waschen, Betten, An­ und Ausziehen, häufig auch Wundpflege, ab und zu Injektionen und Nachtwachen. Begleitung zur amb. Behandlung im Krankenhaus oder beim Augenarzt und anderes.
Sr. Grete Lang
Sr. Liselotte Haushahn

Berichte aus der Arbeit der Diakoniestation

1974 Im vergangenen Jahr waren 1141 Krankenbesuche mit pflegerischer Tätigkeit notwendig. Außerdem wurden 635 Krankenbesuche, teils in Wohnungen, zum Teil in den umliegenden Krankenhäusern gemacht. 805 Hausbesuche bei Alt und Jung konnte ich in der restlichen Zeit noch machen.
9 Nachtwachen waren notwendig.   Sr. Grete Lang


Sr. Liselotte Haushahn

1989 Für die Station sind im vergangenen Jahr ein PKW und 2 neue Pflegebetten angeschafft worden. Derzeit sind von 3 Schwester der Station 30 Patienten regelmäßig zu pflegen.
Sr. Liselotte Haushahn

1994  3236 Injektionen
2593 Verbandswechsel
4980 Grundpflegen, 620 hauswirtschaftliche Versorgungen,  258 Hausbesuche und Besorgungen
insgesamt 25294 Leistungen bei 32 Patienten
Christiane Seibold

75 Jahre Diakoniestation


Diakonieverein am 28.02.1917 ins Vereinsregister eingetragen.

Im Okt. 1923 gelang es den Verein durch Herrn Pfr. Haut vom Mutterhaus Augsburg eine Diakonisse, Sr. Margarethe Keidel, für die Gemeindearbeit, Krankenpflege usw. zu ver­pflichten. Unterkunft bekam sie einstweilen im Pfarrhaus in einem Zimmer, hiermit begann nun das segensreiche Wirken des Vereins.

1926 kam Sr. Frieda Mayer. Sie war 25 Jahre hier, es wird heute noch viel von ihr gesprochen. Am 7. Januar 1926 hatte Sr. Frieda Mayer ihre Arbeit als Gemeindeschwester aufgenommen.

1929 war der Bau fertig, der Wohnung für Gemeinde- und Kinderschwester und Unterkunft für das Kinderheim bot. Hierher kamen nun die Kranken zu Sr. Frieda zur ambulanten Behandlung, damals in ziemlich großer Zahl. Von hier machte sie Gänge zu Pflegebedürftigen, Alten, Armen und Flüchtlingen, um ihnen Hilfe und Gottes Trost zu bringen und ihnen an Weihnachten eine besondere Freude zu bereiten. Und hierher fanden sich die Großmütter alle Jahre in der Adventszeit an einem Sonntagnachmittag zu geselligen Beisammensein zusammen bei Kaffee und Kuchen und unter Gesängen des Jungmädchenkreises.

Erhaltung des Vereins durch das regelmäßige Beitrag zahlen der Mitglieder d. Diakonievereins, die Jahresbeiträge d. Firmen, Zuschuss der Gemeinden. Sammlungen der kirchl. Nothilfe, wir dürfen einen Teil für die eigenen Gemeinde verwenden. Sowie die Pflegegelder der in die Kinderschule kommenden Kinder und der betreuten Kranken. Dieser Ein­nahme stehen beträchtliche Ausgaben gegenüber. Stationsgeld, Gehalt f. Krankenschwester, Krankenkasse, Sozialversicherung, Steuern f. Heim, Unfall- und Feuerversicherung, Wasserzins und Brennmaterial, Berufsgenossenschaft, Strom, Nadelgeld u.s.w.

Sr. Frieda wurde ins Mutterhaus abberufen, an ihre Stelle trat Sr. Lina Mauser. Aber leider konnte sie den Dienst hier nicht schaffen, so ist Sr. Elisabeth Spieß als Ge­meinde- und Krankenschwester und Diakonisse Sr. Anni Hager als Kinderschwester in Kindergarten tätig.
Vorstand des Diakonievereins ist der Herr Pfarrer. Der DV Oberröslau unterstellt sich in Sinne der Entschließung vom 28. Juni 1934 d. Herrn Landesbischof Dr. Meiser den Landesführer d. Inneren Mission in Bayern. Mitglied des DV kann jeder werden, der sich zur Zahlung von wenigstens einer Mark jährlich verpflichtet. Der Aus­tritt aus dem Verein steht jedem frei.


Abschrift aus der Chronik ohne Datum und Verfasser
Okt. 1923 – 1925 Sr. Margarethe Keidel (Mutterhaus Augsburg)

7. 1. 1926 - 1951 Sr. Frieda Mayer (Mutterhaus Augsburg)
1. 4. 1951 - 1959 Elisabeth Spieß

1. 3. 1960 - 31.12.61 Frieda Weih
1. 1. 1964 - 31. 8.75 Sr. Grete Lang (Mutterhaus Puschen­dorf)

1.10. 1975 - 31. 3.88 Sr. Helga Eichhorst (Mutterhaus Puschendorf
1. 4. 1988 - 30. 9.92 Sr. Lieselotte Haushahn (Mutterhaus Puschendorf)

1.10. 1992 Christiane Seibold

 

Werdegang des Diakonievereins Röslau von 1904 bis etwa 1956


Schon in den Jahren 1904/5 wurde die Gründung eines Vereins zum Zwecke der Errichtung einer Kleinkinderschule propagiert. Durch das Ableben des Herrn Pfarrer Baumann im Jahre 1905 und den Wechsel in der Besetzung der Pfarrstelle hielt man sich etwas
zurück. Nachdem Herr Pfarrer Schmidt im Jahre 1906 seinen Einzug hielt, bekam der Gedanke wieder neuen Auftrieb. So kam es am 11.10.1908, wohl nach öfteren Aussprachen, nach einer weiteren Aussprache, zur ersten Niederschrift im Kirchenvorstandsprotokoll.
Es fanden sich immer mehr Personen bereit, bei Gründung eines Diakonievereins demselben als Mitglied beizutreten.
So wurde nach den im allgemeinen üblichen Vorbereitungen am Reformationsfest zum 1.12.10 zur Gründungsversammlung in das Gasthaus zum "Weißen Roß", Besitzer Peter Medick, eingeladen. In dieser Versammlung zeichneten sich 18 Anwesende in die Mitgliederliste ein, darunter 4 Mitglieder des Kirchenvorstandes, diese beschlossen dann auch die vorbereitete Satzung (Statuten). Der Gedanke der Vereins-Diakonie schlug weite Kreise und so konnten bereits am 1.3.1911 115 Mitglieder gezählt werden, welche in 3 Monaten 218 Mark Beiträge einzahlten. Am 23.1.? trat der Verein dem Verein der Landes-Wohlfart-Tätigkeit bei, durch welchen auch immer an die Mitglieds-Vereine Zuschüsse geleistet wurden. Eine größere Schenkung erhielt der Verein im Jahre 1911, welche den Bau einer Kleinkinderschule und Wohnung für die Diakonissin ermöglicht hätte, und so wurde geplant, auch Bauplätze in Erwägung gezogen. Fehlte es an der nötigen Initiative, war der Bauplatz zu teuer oder warf der 1. Weltkrieg seine Schatten schon voraus, der Bau der Kleinkinderschule unterblieb. Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und der nachfolgenden Inflation wurde in den Jahren 1924/26 wieder Verhandlungen wegen eines Bauplatzes geführt, welche nicht zum gewünschten Ziele führten. Inzwischen gelang es dem Verein durch das Mutterhaus Augsburg im Oktober 1923 eine Diakonisse, die Gemeindeschwester Margarete Keitel, für die Gemeindearbeit, Krankenpflege usw. zu verpflichten. Unterkommen fand diese einstweilen in einem Zimmer im Pfarrhaus Oberröslau; damit begann auch das segensreiche Wirken des Vereins.
Infolge anderweitigem Einsatz von Schwester Margarete Keitel
wurde Schwester Frieda Meier im Januar 1926 eingesetzt, welche nach 25-jährigem Wirken in der Kirchengemeinde Oberröslau die wohlverdiente Altersruhe bezog. Nach der Eingemeindung der Gemeinde Ludwigsfeld in die Gemeinde Oberröslau und nach Abschluss des Erbbauvertrages im April 1927 kam die Errichtung der Klein­kinderschule in greifbare Nähe; nachdem die Bauplatzfrage einwandfrei war, konnte die Planung und Finanzierung sowie der Bau selbst vorangetrieben werden. Die Krönung all dieser Arbeit und Mühen war die Einweihung der Kleinkinderschule am 1.10.1929. Bald wurde der Betrieb größer und es musste eine 2. Schwester eingesetzt werden. Im Laufe der Jahre wurde, nach Versetzung der 2. Schwester, Frl. Erna Zier als Kindergärtnerin eingestellt, ­welche ca. 20 Jahre bis zu ihrer Verheiratung den Kindergarten leitete. Nunmehr wird die Kleinkinderschule durch Diakonissin Schwester Anni Hager und die Gemeindearbeit und Krankenpflege von Schwester Liesl Spieß versehen. Durch die fortschreitende Teuerung veranlasst, musste auch der Beitrag für die Kleinkinderbewahrung im Laufe der Zeit erhöht werden.
HB: Dieses Schreiben wurde in der Mitte der 50er Jahre erstellt, leider fehlt ein genaues Datum.

Röslau, im Januar 2002, Willi Stäudel